2011 feu sacré

4. Nacht der Religionen, 12. November 2011 in Bern

"feu sacré" wurde spür- und erfahrbar

"Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht des Dialogs!" Mit diesen Worten schloss der Berner Regierungspräsident Bernhard Pulver seine Eröffnungsrede an der 4. Berner Nacht der Religionen vom letzten Samstag. Der Abend mit seinen vielen Feiern, Gesprächen, Diskussionen entsprach denn auch voll und ganz diesem Wunsch – denn das "feu sacré", das heilige Feuer, das in engagierten Menschen brennt, wurde spürbar.

Wo man hinkam, sei es in die Synagoge, die Moschee, den Tempel oder die Kirche: überall waren die Menschen mit ihrem Gwunder herzlich willkommen. Und sie zeigten Interesse – an manchen Orten gab es eine längere Schlange vor dem Eingang, an anderen war es schwierig, sich einen Sitzplatz zu ergattern. Und überall – egal bei welcher Religion oder Konfession – erfuhr man das "feu sacré", das "heilige Feuer", das brennt, das Menschen antreibt, sich in verschiedensten Formen für Gerechtigkeit und Frieden auf dieser Welt einzusetzen.

Allen Religionen gemeinsam: das "feu sacré"

Religionen unterscheiden sich in ihren Riten, ihrem Glauben, ihrer Praxis – davon konnte man sich auch an der Berner Nacht der Religionen überzeugen. Was aber die Religionen verbindet – das wurde sehr stark erfahrbar an diesem Abend – ist das innere Feuer, das "feu sacré", das den Menschen aller Religionen gemeinsam ist.

Gebet, Gespräch, Feier

Da waren die eritreischen Christen, die ihr Abendgebet nicht nur sprachen und sangen, sondern auch tanzten. Da war die muslimische Gemeinde, deren Iman sich von aktuellen theologischen und politischen Fragen herausfordern liess und den Zuhörenden den Islam näher brachte. Da waren die Hindus im Haus der Religionen, die Menschen aus allen Religionen zu ihrer Puja-Feier einluden. An einem anderen Ort begegnete man dem jüdischen Arzt Janusz Korczak, der Kinder im Warschauer Ghetto betreut hatte.

Eintauchen in eine unbekannte Feier

Zuvor hatten an der Eröffnungsveranstaltung im gibb-Campus die Aleviten zu ihrer gottesdienstlichen Feier eingeladen, hatten ihre Religionen vorgestellt und liessen die mehrere hundert Anwesenden eintauchen in eine für die Allermeisten unbekannte Feier. Dies nachdem der Berner Regierungspräsident Bernhard Pulver in einer Ansprache die Wichtigkeit des interreligiösen Gesprächs als Beitrag zu einer Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit betont hatte

An vielen Orten geschehen

In der vormitternächtlichen Abschlussfeier stand das "feu sacré" ein letztes Mal in dieser Nacht im Zentrum: Gemeinsam sangen alle ein christliches Lied, das um den Beistand des Heiligen Geistes bat, in allen Menschen das "heilige Feuer" – eben das "feu sacré" – immer wieder zu entzünden, ein Feuer der Offenheit und des gegenseitigen Respekts, das alle Menschen und damit auch alle Konfessionen und Religionen verbinden möge.

Zur Einstimmung ins Thema feu sacré – heiliges Feuer
Worte aus den Visionen der Hildegard von Bingen (1098-1179),
Ordensfrau und Heilerin, Mystikerin und Naturforscherin, Prophetin und Künstlerin.

Die Stimme der Weisheit:

„Ich bin das heimliche Feuer in allem, und alles duftet von mir,
und wie der Odem im Menschen, Hauch der Lohe,
so leben die Wesenheiten und werden nicht sterben,
weil ich ihr Leben bin.

Ich flamme als göttlich feuriges Leben
über dem prangenden Feld der Ähren,
ich leuchte im Schimmer der Glut,
ich brenne in Sonne, in Mond und in Sternen,
im Windhauch ist heimliches Leben aus mir
und hält beseelend alles zusammen.“