2010 glücks(ge)fälle

3. Nacht der Religionen, 6. November 2010 in Bern

Berner Nacht der Religionen: ein Glücksfall!

Unter dem Leitwort „Glücks(ge)fälle“ stand die dritte Berner Nacht der Religionen vom vergangenen Samstag. Sie erwies sich einmal mehr als Glücksfall: Begegnungen und Gespräche wurden möglich und Unbekanntes konnte an vielen Orten in der Stadt Bern entdeckt werden.

Eröffnet wurde die Nacht der Religionen im Gymnasium Neufeld, wo sich mehrere hundert Personen aller Religionen und Konfessionen versammelt hatten. Dem gastgebenden Muslimischen Verein Bern überreichten Vertreter und Vertreterinnen aller in Bern lebenden Konfessionen und Religionen Geschenke, die die gegenseitige Verbundenheit aufzeigten:

Von jüdischer Seite wurden die Muslime mit einem Kissen beschenkt, welches ihnen Ruhe und Sicherheit geben möge, Christkatholiken, Anglikaner, Lutheraner und Orthodoxe aus Eritrea verschenkten einen Salzstein, Herrnhuter und Methodisten erinnerten mit ihrer Kerze mit der Aufschrift „Abraham“ an den gemeinsamen Ursprung der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Eine Karaffe reichten die Katholiken weiter, damit es an frischem Wasser nie mangle. Die Reformierten überreichten eine Kalligraphie zu einem Vers aus der 16. Sure, der eine Entsprechung im 104. Psalm hat. Von Seiten der Hindu-Gemeinschaft wurde ein Tuch überreicht, das Schutz und Geborgenheit vermittelt. Als ein Zeichen des Zusammenstehens zwischen den Religionen wurde es dem Organisator des Muslimischen Vereins, Abaz Imeri, um die Schulter gelegt, es war einer der berührendsten Momente der Geschenkübergabe.

Anschliessend luden die Moslems zu ihrem Nachtgebet in der Halle des Gymnasiums ein. Viele Menschen aus unterschiedlichsten Religionen verfolgten dieses Gebet mit Andacht und Respekt.

Tausende traten ein...

Zwischen 19.30 und 23 Uhr waren die Türen von vielen Kirchen, Tempeln, Moscheen und der Synagoge in der Stadt geöffnet – zum gemeinsam Feiern mit Aleviten, Baha’i, Buddhisten, Hindus, Sikhs und mit Christen und Christinnen aus vielen Traditionen. Sie erzählten von ihrer Glaubens- und Glückserfahrung, zuweilen war aber auch das Glücksgefälle, also der Umgang mit der Not Thema...und auf dem Waisenhausplatz wurde eine interreligiöse Glücksskulptur errichtet. Mehrere tausend Berner und Bernerinnen nutzten die vielen Möglichkeiten und traten in für sie sonst fremde Kulturen und Religionen ein, erhielten einen Eindruck vom Leben der besuchten Gruppen.

In einer übervollen Heiliggeistkirche schloss diese Nacht der Glücksfälle wie auch des Glücksgefälles mit gemeinsamem Gesang, aber auch der Botschaft: Was macht mich in meinem Glauben glücklich? Die Nacht zeigte es: es gibt sehr viele Wege, glücklich zu leben – und trotz allem das Glücksgefälle ernst zu nehmen.

„...jetzt seid ihr für uns wie Brüder...“

Die Berner Nacht der Religionen liess einige tausend Menschen eintauchen in eine Welt, die Mut macht. Eine Welt, wo trotz ganz unterschiedlicher Herkunft und Glaubensausrichtungen der Dialog möglich ist.

Ein Hindu sagte irgendwann während der Nacht der Religionen: „Wir hatten früher kaum Kontakt zu Moslems, sie waren uns fremd. Nun sind sie für uns wie Brüder...“, und der Moslem antwortete: „...und Schwestern.“ Ein wahrer Glücksfall – diese dritte Berner Nacht der Religionen.