2008 erste Nacht der Religionen

1. Nacht der Religionen, 9. November 2008 in Bern

Die Synagoge beim Hirschengraben war bis auf den letzten Platz besetzt, als der Kantor der jüdischen Gemeinde zum Gebet zum Ausgang des Schabbats anhob. Anschliessend erinnerte Rabbiner David Polnauer an die Pogromnacht vom 9. November 1938: «Siebzig Jahre, ein ganzes Menschenleben ist es her, seit der Holocaust begann mit der sogenannten Kristallnacht, in der Synagogen brannten und 40´000 Juden in Konzentrationslager verschleppt wurden.» Im Gebet wurde der 6 Millionen Opfer gedacht. Christoph Jungen, Präsident der CJA Bern (Christlich-jüdische Arbeitsgemeinschaft) machte die Wichtigkeit des Erinnerns und Gedenkens zum Thema seines Vortrages: «Doch vielleicht haben wir uns zu sehr darauf konzentriert, dass den Juden nie wieder so etwas geschehen kann. Wir müssen den Gedanken ausweiten, dass überhaupt nie wieder so etwas geschehen kann.» Mit den Seelisberger Thesen hat die CJA bereits 1947 auf die Dringlichkeit eines christlich-jüdischen Dialogs aufmerksam gemacht. Die Berner Nacht der Religionen sei eine Frucht dieser Bemühungen.

Zu Besuch bei den Baha’i

Mit Kaffee, Tee und Kuchen begrüssten die Freiwilligen des Zentrums der Baha’i in Bern eine Gruppe interessierter Dialogwilliger. Die Besucher wurden in einen schlicht gestalteten Raum geführt. Nach einem kurzen Gebet erklärten die Mitglieder des Baha’i-Zentrums die Grundlagen ihrer Religion: «Für uns als Baha’i sind die Schriften unsres Relgionsstifter Bahá’u’lláh das Wichtigste. Wir kennen kein Priestertum und keinen Kult». Aus dem Publikum wurden vor allem kritische Stimmen laut. Auf die Frage nach den Gerüchten um sehr strenge Regeln im Alltag sagte Andreas, Angehöriger der Baha’i-Religion: «Als Baha’i darf man sich nicht parteipolitisch engagieren. Nach längerem Ringen legte ich deshalb mein Amt in der Parteispitze der Grünen nieder.» Er findet die Nacht der Religionen eine sehr gute Sache und freut sich vor allem über den Besuch eines Fernsehteams: «So werden ganz viele Leute in der Schweiz von unserer Religion erfahren».

Die Nacht der Religionen hätte noch zahlreiche Begegnungen und Besuche bei vielen weiteren Gemeinschaften geboten – viel mehr, als an einem Abend möglich ist. Und so endete die Nacht der Religionen unter dem Baldachin beim Bahnhof mit einer vegetarischen Mitternachtssuppe.